| Walter & Ines Stolte | ||
| Verlagsvertretung mit Herz | ||
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Der Anti-Messner Von Martin Ax Ein Abenteurer fährt mit dem Fahrrad 30 000 Kilometer von Alaska nach Feuerland und schreibt darüber ein Buch. Was mag das für ein Buch werden? Üblich sind in der Branche zwei Alternativen. Erstens: das Helden-Epos. Der Abenteurer beschreibt sich als Naturburschen, der in festem Glauben an seine Kräfte bis an die äußersten Grenzen geht, trotz mancher Rückschläge alle Hindernisse bezwingt und in sich gefestigt aus dem Erlebten hervorgeht. Zweitens: der nüchterne Reisebericht. Landschaften ziehen vorüber wie im Reiseführer, gewürzt mit kleineren Schrecksekunden, vielleicht auch mit Tipps zum Nachahmen. Dass es mehr Möglichkeiten gibt, zeigt ein Abenteurer aus Bottrop, der eben jene Radtour von Alaska nach Feuerland hinter sich hat. Walter Stolte heißt der Mann, Amerika selbst er-fahren sein Buch, dessen erster Band Alaska-Panama im Frühjahr 1994 in die Buchhandlungen gekommen ist. Der Bindestrich in "selbst er-fahren" ist Programm: Er soll andeuten, dass es nicht nur um Radeln geht, sondern vor allem um Selbsterfahrung. Und die schildert Stolte mit gnadenloser Offenheit - aber nicht stur verbiestert. In flotter Sprache, mit selbstironischem Augenzwinkern nimmt er den Leser mit auf die Reise und deckt dabei seine eigenen Schwächen und die Widersprüche seines Abenteuers auf. Wie von selbst begreift der Leser, dass die Hindernisse, die der Abenteurer Stolte in Amerika überwinden muss, alle einen Namen tragen: Walter Stolte. Der hagere Mann aus dem Kohlenpott, studierter Sportlehrer und bewährter Extremradler, fährt 1982 nach Amerika, um sich mit Alaska-Feuerland seinen größten Traum zu erfüllen. Doch statt 18 Monaten, wie geplant, dauert die Tour fünfeinhalb Jahre, und immer wieder fragt Stolte sich, warum er das alles macht - ohne Ergebnis. Zitat: "Vielleicht ist auch der Hang zum Masochismus beim Widder stärker ausgeprägt..." Immer wieder schwankt er zwischen Weiterfahren und Sesshaftwerden, flüchtet sich in Krankheiten oder in die Arme schöner Frauen, ist hin- und hergerissen zwischen der Sucht, im Sattel die eigenen Grenzen zu sprengen, der Ahnung, dass das eigene Ich in Feuerland nicht leichter zu finden ist als anderswo - und der Frage, was denn im Leben bleibt, wenn der größte Traum erfüllt ist. Diese Zweifel, Brüche und Widerspräche eines Abenteurers spürt der Leser deutlicher als bei fast allen anderen Büchern des Genres. Das ist Stoltes Leistung - und seine Absicht. "Ich wollte ein ehrliches Buch schreiben", sagt er. In der Weltenbummler-Szene hat er damit nicht nur Freunde gefunden. Strahlende Helden lassen sich besser verkaufen, und Stoltes Buch ist schwer einzuordnen. Was ist es eigentlich: Ein Fahrradbuch? Ein Reisebericht? Ein Entwicklungsroman? Die Frage ist mehr als müßig. Wichtiger ist: Was hat der Leser von dem Buch? Einiges findet er dort nicht. Er findet keinen neuen Helden wie aus dem Abenteuerroman und nur wenig Neues über Länder und Landschaften. Dafür findet er viele Begegnungen mit Menschen Nord- und Südamerikas, die sicher nicht repräsentativ, aber anregend sind. Und er findet, wenn er sich darauf einlässt, ein Buch, das das Gefühl vermittelt: Hier schreibt ein Mensch wirklich über sich, ungeschminkt und ungekünstelt. Ein Buch, in dem die Sprache so ehrlich und geradeheraus ist, dass sie anscheinend hier und da noch ein Quentchen mehr über den Autor verrät, als der in all seiner Offenheit geplant hat. Vielleicht erfährt der Leser am Ende auch das, was Stolte nach eigenem Bekunden erreichen will: den Mutmach-Effekt. Motto: Wenn dieser Typ das bis nach Feuerland geschafft hat, dann kann ich auch meine Grenzen überwinden, meine Träume erfüllen. Bitte - das wäre nicht das Schlechteste. Aber denken Sie daran: Es muss nicht gleich Feuerland sein. Eine Radtour am Wochenende mit der Familie ist vielleicht auch schon ein lohnender Traum. |
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Als ich an einem trüben Augusttag Amerika selbst-erfahren. |
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