Walter & Ines Stolte
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Verlagsvertretung mit Herz
 

Wie alles begann

Im Sommer 1993 betrat ich mit meinem frischgeschriebenen Buch Amerika selbst er-fahren. Mit dem Fahrrad von Alaska nach Feuerland, Band 1 in 14 Tagen 184 Buchhandlungen zwischen Flensburg und München. Ich verkaufte 55 Bücher und hatte viel Freude an der Reise. Im Oktober des selben Jahres erzählte ich dem Verleger Joachim Kamphausen von dieser Erfahrung, und zehn Minuten später war ich sein neuer Verlagsvertreter für Nordrhein-Westfalen. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekam ich noch dazu. Ich kündigte meinen Job beim Submissionsanzeiger, und im Januar 1994 startete ich im Lebensbaum in Bielefeld meine erste Vertreterreise für den Context-Verlag (heute J. Kamphausen Verlag).

Schon nach der ersten Reise war ich völlig pleite. Der Zug in den Schuldienst als Englisch- und Sportlehrer war abgefahren. Ich ging zurück zum Submissionsanzeiger, wo ich den ganzen Tag Bauausschreibungen in den Computer tippte. Den Urlaub nutzte ich, um auf meine zweite Vertreterreise zu gehen, und auf der Buchmesse konnte ich mein Programm um zwei kleine Verlage erweitern.

Jahrelang wirtschaftete ich in den roten Zahlen und konnte meinen Vertretung überhaupt nur finanzieren, indem ich nebenbei alle möglichen Jobs annahm. Am härtesten fand ich es, als Callcenter-Agent Metzgern und Bäckern aus Dessau dreizeilige Werbeeinträge in den Gelben Seiten zu verkaufen.

Langsam, aber stetig wuchs mein Programm. Es dauerte allerdings bis zur Jahrtausendwende, bis ich ausschließlich von der Verlagsvertretung leben konnte. Dabei spielte es eine wichtige Rolle, dass ich mich irgendwann von meiner Überzeugung löste: „Wer es in La Paz, Bolivien schafft, der schafft es auch in Halle an der Saale.“ Ich fuhr unheimlich gern durch die neuen Länder, aber eines Tages rechnete ich nach, dass auf 1000 DM Spesen nur 100 DM Provisionen kamen. Also verabschiedete ich mich von Sa-Sa-Thü und fing an, mir in Norddeutschland ein neues Reisegebiet aufzubauen.

Anfang 1998 stellte ich einer hübschen Buchhändlerin mit herrlichem Wiener Dialekt die Karten der Erkenntnis von Chuck Spezzano vor. Von da an freute ich mich immer besonders auf den Stern-Verlag in Düsseldorf. Es dauerte allerdings bis zum 10. Juli 2002, bis wir erstmals ihre Mittagspause miteinander verbrachten. Dann waren wir uns jedoch ziemlich schnell einig, dass wir als Verlagsvertretung mit Herz künftig zu zweit durchs Leben reisen würden.

Rezension von Martin Ax
Ein Abenteurer schreibt gegen das Image der Branche. Seine These: Menschen ohne Schwächen sind keine Helden. -->

 

Als ich an einem trüben Augusttag
in Fairbanks losradelte, erwartete
ich, in gut anderthalb Jahren am
Ziel zu sein. Fünfeinhalb Jahre
später kam ich nach 30 000 Kilo-
metern in Feuerland an.

Amerika selbst-erfahren.
Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland

Band 1: Alaska - Panama. Hamburg:
Verlag Walter Stolte 1993.
ISBN 3-980 3365-0-6. € 18,-

 

 

 

_himbeergeist: 2006